Vermittlung

Im intensiven Kontakt mit den Flüchtlingen werden uns die dramatischen Fluchterlebnisse, der Trennungsschmerz von den in der Heimat verbliebenen Familienmitgliedern und Angehörigen nahegebracht. Viele die angekommen sind, haben noch keine Perspektive und Vorstellung, wie es in Österreich weitergehen könnte. Vordringlich ist das Ankommen in einem Land mit Frieden, zur Ruhe kommen nach langen schwierigen Fluchtwegen, sich in Sicherheit erleben und erste Schritte in die Versorgung zu setzen. Dann das monatelange Warten auf das alles entscheidende Interview, auf den positiven Bescheid. Während des Wartens die Gespräche mit Flüchtlingen und Kontaktpersonen. Die sprachliche Barriere wird von Beginn an zum Problem. Mit dem Deutschlernen und der Neuorientierung in unserem Land kommen Grundbedürfnisse und Erwartungen zu Tage. Die meisten wollen raus aus den „Massenflüchtlingsquartieren“ in kleinere Wohngelegenheiten, mehr Privatsphäre, dort weiter machen, wo sie vor der Flucht waren, Ausbildung, Beruf. Viele bürokratische Hindernisse tun sich auf. Unser Verein ist bemüht, hier Hilfestellungen anzubieten. Es ist uns gelungen durch private Quartiergeber Unterkünfte für Familien in und um Eferding zu bekommen. Teilweise sind die Familien in ihrem neuen Umfeld sozial eingebunden und haben gute Chancen integriert zu werden. Überall gibt es Bürgerinnen und Bürger, die sich uneigennützig und ehrenamtlich für die „neuen Nachbarn“ einsetzen.
Schulpflichtige Kinder werden innerhalb weniger Tage in den ordentlichen Schulbetrieb in der Region übernommen. Kleinkinder kommen, sofern Plätze vorhanden sind und auf Initiative von Gemeinden und Privatpersonen, in den Kindergarten. Probleme haben diejenigen Jugendlichen, die nicht mehr schulpflichtig sind. Damit diese nicht wie die Erwachsenen untätig zuhause warten müssen benötigt es viel Engagement, dass ein Schulbesuch im Polytechnischen Lehrgang oder einer anderen weiterführenden Schule möglich wird. Für alle ist wegen der mangelnden Verständigungsmöglichkeit ein großes Maß an Toleranz, Feingefühl und Kooperation erforderlich. Im „Sprachcafe“ versuchen wir die Schüler „fit“ zu machen.
Jugendliche können unter bestimmten Voraussetzungen eine Lehre beginnen. Auch hier sind Sprachkenntnisse vor allem für die Berufsschule notwendig. Es gab mehrere Schnuppertage, es ist uns auch gelungen, einen Lehrplatz zu vermitteln. Bei vielen Schnupperlehrlingen sind leider die sprachliche Barriere und der Nachholbedarf in der Schulbildung noch zu groß.

Für erwachsene Asylwerber gibt es leider nur sehr wenig Möglichkeiten, die lange Wartezeit sinnvoll zu nutzen, sich selbstständig durch Arbeit zu erhalten wird aufgrund der gesetzlichen Rahmenbedingungen leider unmöglich gemacht. Für Erwachsene mit spezieller Ausbildung (z.B. Techniker, Lehrer) besteht theoretisch die Möglichkeit, ein unbezahltes Volontariat zu absolvieren, sofern sich eine Firma finden lässt, die einen Volontär aufnimmt.
Einigen wenigen „unserer“ Asylwerber ist es gelungen, über ein solches Volontariat schon in die österreichische Arbeitswelt „hineinzuschnuppern“. Die Volontäre haben bereits ein kleines Netzwerk in der regionalen Wirtschaft aufgebaut, kennen die Spielregeln, haben deutsche Fachbegriffe erlernt usw.
Sobald sie eine Aufenthalts- und somit Arbeitsgenehmigung haben, wird dadurch dem Arbeitsmarktservice die Betreuung wesentlich erleichtert. Diese Leute können sich sehr bald selbst versorgen und werden nicht lange auf staatliche Unterstützung angewiesen sein; vielmehr werden sie, sobald sie den Einstieg in einen fixen Arbeitsplatz geschafft haben, auch als Lohnsteuerzahler ihren Beitrag leisten.
In Kooperation mit der Johannes Kepler Universität in Linz konnten wir auch studienberechtigten Asylwerbern einen Platz in einem Deutschkurs am Institut für Fremdsprachen und somit Zugang zum universitären Umfeld verschaffen.

Wir bemühen uns, den Bildungsstand, die Begabungen und Talente unserer Klienten zu identifizieren. Durch unser Netzwerk in die Wirtschaft, zu Sozialeinrichtungen, und Hochschulen können so Anknüpfungspunkte gefunden werden, damit unsere Klienten auch bald ihren Beitrag in unserer Gesellschaft leisten können.

Ein besonderes Anliegen sind uns auch die Frauen. Wir haben durchwegs die Erfahrung gemacht, dass auch muslimische Frauen und deren Ehemänner in dieser frühen Phase des „Ankommens“ in einem fremden Land durchaus offen und dazu bereit sind, sich mit unserem Gesellschaftsbild, auch mit der Gleichstellung von Mann und Frau, auseinander zu setzen. Die Leute, die zu uns kommen, sind dazu bereit, unsere Spielregeln anzunehmen; unsere Aufgabe ist es, sie ihnen zu vermitteln!
Wenn wir nicht aufeinander offen zugehen und uns bemühen, die Hürden der Kommunikation zu überwinden, entstehen schnell auf beiden Seiten sehr subjektiv geprägte Bilder und Vorurteile über das jeweilige Gegenüber – kurz gesagt, Isolation; das Gegenteil von Integration.